Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber mitten inne. (Jh. 19:18; nach Luther 56/64)
Drei Kreuze – und was sie bedeuten
Wir alle kennen in der einen oder anderen Form das berühmte Bild: die drei Kreuze auf dem Hügel Golgatha. Sie erinnern an den Tod Jesu und an das Ende der beiden Verbrecher, die links und rechts von ihm mitgekreuzigt wurden. Man könnte sie folgendermaßen deuten:
Jesus, der Gottmensch, ist der Vermittler zwischen Gott und den Menschen. „Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.“ (1. Tim. 2,3–6) Darum ragt sein Kreuz auch zu Recht heraus!
Jesus ist für beide Menschengruppen gestorben. Wir wissen aus der bekannten Geschichte im Lukasevangelium, dass einer der beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt wurden, weder seine eigene Schuld vor Gott einsah noch an Jesus glaubte: „Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ (Lk. 23,39)
Der andere jedoch sah seine Schuld ein und brachte auf seine ungelenke Weise doch Glauben an Jesus zum Ausdruck: „Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lk. 23,40–42)
Jesus sorgt für eine Scheidung. Nur diesem, nicht aber dem anderen, wurde von Jesus zugesagt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk. 23,43) Die unerbittliche Scheidung zwischen den beiden Menschengruppen – den Ungläubigen und den Gläubigen, den Verlorenen und den Geretteten – wurde damit auf Golgatha bereits symbolisch dargestellt.
Fakt bleibt trotzdem: Jesus ist für beide Menschengruppen gestorben, nicht nur für eine. So lehrt es der Calvinismus leider anders, dem es ansonsten sehr um Gottes Ehre und Gottes Tun geht: „Christus ist nur für die Auserwählten gestorben; für die anderen wäre sein Tod ja sinnlos gewesen.“
Mag damit auch das Endergebnis seines Leidens, Sterbens und seiner Auferstehung eingefangen sein, so muss doch klar festgehalten werden: Christus ist für alle Menschen gestorben – Geheimnis der Erwählung hin oder her. „Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1. Joh. 2,2) Das Heil steht für alle Menschen bereit; aber nicht alle wollen es haben, „… denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ (2. Thess. 3,2) Niemand wird sich vor Gott entschuldigen und sagen können, Gott habe ja nichts für ihn getan. Unglaube bleibt immer eigene Verantwortung.
Wäre es anders, dann müsste unser Bild von Golgatha so aussehen:
Aber so hat es nie ausgesehen, und so wird es auch niemals aussehen. Es wäre die unzulässige Verstümmelung einer biblischen Symbolik. Darum bedenke, lieber Leser, deine Verantwortung! Christus steht in der Mitte: Er ist der einzige Mittler, der für Schuldige gestorben ist und dennoch rettet. Links und rechts von ihm zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen auf ihn reagieren können. Das Kreuz Christi ist darum nicht nur ein Zeichen der Erlösung, sondern auch ein Ruf zur Entscheidung: Wer seine Schuld erkennt und sich Jesus anvertraut, darf mit dem geretteten Schächer hoffen; wer ihn verwirft, bleibt trotz des vollbrachten Heils in seiner Schuld.
Es sind drei Kreuze und nicht bloß zwei, die auf Golgatha standen.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Johannes 19:
Jesu Geißelung und Verspottung
1 Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an 3 und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.
4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!
Jesu Verurteilung
6 Als ihn die Hohenpriester und die Knechte sahen, schrien sie: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.
8 Als Pilatus dies Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr 9 und ging wieder hinein in das Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. 10 Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen? 11 Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben her gegeben wäre. Darum: der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde.
12 Von da an trachtete Pilatus danach, ihn freizulassen. Die Juden aber schrien: Lässt du diesen frei, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser. 13 Als Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Steinpflaster, auf Hebräisch Gabbata. 14 Es war aber am Rüsttag für das Passafest um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Seht, das ist euer König! 15 Sie schrien aber: Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König als den Kaiser. 16 Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.
Jesu Kreuzigung und Tod
Sie nahmen ihn aber 17 und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.
23 Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt Ps 22,19: »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.
25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30 Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.
31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. 32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; 34 sondern einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.
35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde 2. Mose 12,46: »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« 37 Und wiederum sagt die Schrift an einer andern Stelle Sach 12,10: »Sie werden den sehen, den sie durchbohrt haben.«
Jesu Grablegung
38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. 39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit wohlriechenden Ölen, wie die Juden zu begraben pflegen. 41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. 42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.
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