Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.
(Jes. 53:9)
In der Lutherbibel steht bei dem Ausdruck „Übeltätern“ ein Sternchen: „Der überlieferte Text hat hier: bei Reichen.“ Dies ist tatsächlich auch der Grundtext. „Bei Übeltätern“ wurde offenbar nur aus Harmonisierungsgründen gewählt: Man dachte, die „Übeltäter“ passen besser zu den „Gottlosen“ als die Reichen (obwohl es natürlich auch reiche Übeltäter gibt). Auch dachte man hier an einen sogenannten gleichartigen Parallelismus (Gottlose – Übeltäter), obwohl es in Wahrheit ein gegensätzlicher ist. Darum übersetzt die Elberfelder Bibel (2006) mit: „bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod“ (ähnlich auch Schlachter 2000).
Historisch gesehen war die Bestattung eines gekreuzigten Verbrechers unter römischer Herrschaft äußerst unwürdig. Normalerweise blieb der Körper am Kreuz hängen, bis er verrottet war oder von wilden Tieren gefressen wurde. Bei den Juden war das anders: Nach 5. Mose 21,22–23 durfte ein Hingerichteter nicht über Nacht hängenbleiben, sondern musste noch am selben Tag bestattet werden. In ruhigen Zeiten gewährten ihnen die römischen Prokuratoren das. Er kam dann auf ein spezielles Gräberfeld für „Schuldige“ oder „Arme“ und wurde dort in einem Erdloch oder einer Felsnische beigesetzt.
Jesus hatte also keine ehrenhafte Beerdigung zu erwarten. Ich weiß nicht, ob er sich je Gedanken gemacht hat, was mit ihm nach seiner Kreuzigung passieren würde. Aber Gott hat auf wunderbare Weise für ihn gesorgt.
Joseph von Arimathäa ließ Jesus in seinem neuen Felsengrab bestatten (Mt. 27,60). Das hatte eine doppelte Bedeutung: Einerseits war es für Jesus ein „Schandgrab“, denn er wurde nicht in einer Gruft seiner eigenen Familie beigesetzt. Andererseits war es aber doch ein „Ehrengrab“, denn Gott ließ nicht zu, dass der Messias nur in einem einfachen Erdloch verscharrt wurde. Das entsprach seiner Würde nicht. Dazu kam er in ein Grab, in dem noch nie jemand anders gelegen hatte (Lk. 23,53).
Und nun wage ich eine persönliche Übertragung: Wie gut, dass Jesus in Josephs Grab lag! Und wie gut, wenn er – in übertragenem Sinne – auch in deinem und meinem Grab „liegt“! Damit lässt sich gut verdeutlichen, dass er für uns gestorben ist. Joseph und du und ich dürfen ewiges Leben haben, weil er für uns sein Leben ließ! Die Bibel macht klar, dass es bei Joseph von Arimätha so war (Mt. 27,57; Lk. 23,50–51) – und so dürfen wir, die wir an Jesus glauben, uns mit ihm und für uns freuen!
Jesus lag nach seiner Geburt nur in einer ärmlichen Krippe; der Sieger von Golgatha lag nach seinem Tod in einem besonderen Grab.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Jesaja 53:
1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit.
Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.
