So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit. (Jes. 53:10a)
Wie Gott uns in den Himmel bringt (1)
Niemand möge mich hier falsch verstehen. Ich maße mir nicht an, die Tiefe und Schwere dieses Verses, der das Leiden des Messias, unseres Herrn Jesus Christus, beschreibt, auszuloten und ganz zu verstehen, geschweige denn, ihn selbst völlig zu repräsentieren.
Und dennoch ist mir seit meiner schweren Erkrankung im Januar 2025 in den darauffolgenden, schwierigen Monaten dieser Vers oftmals durch den Kopf und durchs Herz gegangen.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich meine Krankheit selbst verschuldet habe. Zwei gutartige Tumore auf der Bauchspeicheldrüse kann niemand vorhersehen. Da hätte selbst eine vegetarische oder vegane Lebensweise wohl kaum etwas genützt!
Ich denke auch nicht, dass Gott mich durch meine Erkrankung bestrafen wollte. Für unsere Sünden haben wir alle Strafe verdient, auch ich – aber dennoch ordne ich das Geschehen rund um mich und meine Gesundheit nicht so ein. Zudem gehe ich davon aus, dass Christus am Kreuz meine verdiente Strafe bereits getragen hat.
Ich würde eher sagen: Es ist eben über mich verhängt und verordnet worden. Gesucht habe ich es sicher nicht. Es war eher das, was man einen „Schicksalsschlag“ nennt – herausgerissen aus einem glücklichen Altersdienst für meinen Herrn, hingeworfen aufs Krankenbett, durchgeschüttelt von Kopf bis Fuß. Alles kam plötzlich über mich wie ein böses Unwetter.
Erklärungen dafür bekam ich keine. Ich bin nur deutlich zurückgestuft worden. Der Rest meines Lebens wird gekennzeichnet sein von den Folgen der OP im März 2025, und ich werde bis ans Ende meiner Tage mit Diabetes, Lungen- und Magenproblemen, Untergewicht und allen übrigen Beschwerden zu kämpfen haben, die meine Erkrankung mit sich gebracht hat.
Daneben aber sehe ich auch, dass Gott mich verwesentlicht und meine Aufmerksamkeit in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt hat. Ich habe in den letzten 18 Monaten meines Lebens vielleicht mehr gelernt als in rund 40 Jahren vollzeitlichen Dienstes zuvor. Ich habe Gott vertieft kennengelernt. Ich wusste zwar schon vorher, dass er treu ist – aber was seine Treue in schwerer Zeit wirklich bedeutet, wenn er seine Güte „aufdreht“, das weiß ich erst jetzt.
Und ich bin mir auch bewusst, dass Gott die finale Phase meines Lebens eingeläutet hat. Ich weiß nicht, was noch kommt – Gott sei Dank nicht! – und in welchem Schweregrad – nur eines ist sicher: Noch einmal 70 Jahre werde ich nicht hier sein müssen. Vielleicht nicht einmal mehr zehn. Das heißt: Der Himmel rückt näher. Und im Augenblick sehe ich an verschiedenen Stellen, wozu meine Krankheit gut ist – auch wenn ich natürlich verschiedene Verluste bedaure.
Wie heißt es über Elisa, den großen Nachfolger des Elia? „Als aber Elisa an der Krankheit erkrankte, an der er sterben sollte …“ (2. Kön. 13,14). Irgendwie müssen wir ja in den Himmel kommen. Wir wissen nichts Näheres von der Krankheit des Elisa – aber sie war auch für ihn Gottes Weg. „So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit.“
Zerschlagenwerden tut weh – aber Gott hat mit uns keine Vernichtungsabsichten. Im Gegenteil: Er will uns reinigen, segnen und zu brauchbareren Werkzeugen für sich machen. Es wird in meinem und deinem Fall, lieber Leser, nicht anders sein.
Tue, was du noch kannst, wie es dir auch ergeht, mit dem, was du noch hast.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Jesaja 53:
1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit.
Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.
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