Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. (Joh. 13:23)
Der Jünger, den Jesus liebhatte (1)
In Zeiten der „bunten Gesellschaft“ mutet es schon merkwürdig an, wenn wir den obigen Vers lesen. Man sollte daraus jedoch keine falschen Schlussfolgerungen ziehen.
Es ist eines der Merkmale des Johannesevangeliums, dass immer wieder einmal die Rede ist „von dem Jünger, den Jesus liebhatte“. Jemand wies mich darauf hin, der Ausdruck komme im Johannesevangelium siebenmal vor – allerdings ohne Belege. So bin ich dem im Rahmen eines kleinen Bibelstudiums einmal nachgegangen.
Das Ergebnis meiner kleinen Forschungsarbeit: Es gibt nur fünf explizite Vorkommen dieses Ausdrucks. Hier war also wieder mal der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer, indirekter Vorkommen. Das sind sogar mehr als sieben. Hier mal die ersten drei Vorkommen von allen:
Wir werden auf Erden immer unsere „Lieblinge“ haben (siehe obigen Vers). – Jeder von uns hat Menschen, mit denen er es besonders gut kann, und andere, mit denen es eher schwierig ist. Zwar schreibt Paulus in 2. Kor. 5,16: „… darum kennen wir von nun an niemand mehr nach dem Fleisch“, d. h. auf herkömmliche, natürliche Art und Weise. Das bezieht sich auf das geistliche Verhältnis, das wir zu allen Menschen – ob innerhalb oder außerhalb der Gemeinde – haben sollen.
Aber Tatsache dürfte dennoch bleiben: Die einen sind uns sympathischer als die anderen. Das kann viele Gründe haben. Oft hat es mit Übereinstimmung im Geistlichen zu tun. Das ist einfach menschlich – und es wird so bleiben, solange wir leben.
„Zuneigungshierarchie.“ – In unserer Geschichte wird diese sogar von den übrigen Jüngern akzeptiert. Ob immer neidlos, sei dahingestellt. Die Bibel will auch nicht sagen, dass Jesus die anderen Jünger nicht liebgehabt hätte – vgl. dazu Joh. 13,1. Aber den „Vorzugsjünger“ gab es trotzdem.
Jesus hatte gerade angekündigt, dass einer von seinen Jüngern ihn verraten würde. Das löste große Unruhe unter ihnen aus. Und darum lesen wir nun als zweite Erwähnung dieses Jüngers:
„Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.“ (Joh. 13,24)
Und da kommt schon die dritte ausdrückliche Erwähnung dieses Jüngers:
„Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s?“
Er erhält eine klare Auskunft, die für den Iskariot niederschmetternd ist.
Nähe des Herzens. – Wir können Jesus nicht äußerlich so nahe sein, wie Johannes es war. Und es ist auch fraglich, ob wir in dieser Form wirklich zu seinen „Lieblingen“ gehören würden. Aber innerlich können wir ihm nahe sein – durch täglichen Umgang mit ihm und durch das ständige Bestreben, ein Leben zu führen, das ihm gefällt. Dann erfahren wir vielleicht auch manches von ihm, was uns sonst entgangen wäre.
Gehorsame Jünger sind Jesus nahe; ungehorsame leiden an einer Entfremdung von ihm.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Johannes 13:
Jesu Abschiedsreden
(Kapitel 13,1–17,26)
Die Fußwaschung
1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, 3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, 4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.
6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. 9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. 11 Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. 15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. 16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17 Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.
18 Das sage ich nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muss die Schrift erfüllt werden Ps 41,10: »Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen.« 19 Jetzt sage ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin. 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Jesus und der Verräter
(Mt 26,21-25; Mk 14,18-21; Lk 22,21-23)
21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? 26 Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
28 Aber niemand am Tisch wusste, wozu er ihm das sagte. 29 Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.
Die Verherrlichung und das neue Gebot
31Als Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. 32 Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen. 33 Liebe Kinder, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Und wie ich zu den Juden sagte, sage ich jetzt auch zu euch: Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen.
34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. 35 Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus
(Mt 26,33-35; Mk 14,29-31; Lk 22,31-34)
36 Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen. 37 Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. 38 Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.
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