Denn ihr sollt nicht in Eile ausziehen und in Hast entfliehen; denn der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen. (Jes. 52:12)
Verschlossene Türen (Teil 2)
Die Wochen vor unserer Ausreise nach Ecuador zum Sprachstudium waren sehr ausgefüllt mit vielen Erledigungen. Unter anderem musste das Visum besorgt werden; auch unser Auto wollten wir verkaufen. Auf dem Weg zu dem Ort, wo wir es verkaufen wollten, platzte mir bei 130 km/h auf der Autobahn die Windschutzscheibe. Glücklicherweise passierte mir nichts, und der Schaden konnte innerhalb weniger Stunden in einer Werkstatt behoben werden.
Aber für das Auto fand sich dann doch nicht so schnell ein Käufer. Und schließlich mussten wir ja auch noch unsere Koffer packen. Unser Aufenthalt in Ecuador war zunächst für ein Jahr geplant. Es wurde zum Schluss alles ziemlich hektisch, und wir schafften es nicht wirklich, das Zimmer richtig aufzuräumen, in dem wir bei unserem Glaubensbruder in der Schweiz die letzten Wochen gewohnt hatten.
Dann kam der Tag der Abreise. Am Flughafen in Zürich angekommen, erlebten wir eine schöne Überraschung: Die Geschwister unserer Heimatgemeinde waren gekommen, um uns zu verabschieden! Gemeinsam sangen wir noch einige Lieder und beteten zusammen. Es war ein sehr bewegender Moment.
Dann hieß es Abschied nehmen und wir gingen zum Check-in. Dort angekommen erhielten wir die Nachricht, dass unser Flug nach Quito wegen eines Streiks der Pariser Fluglotsen gecancelt sei. Die Fluggesellschaft bot uns eine Übernachtung im Hotel an oder würde uns die Taxifahrt zurück nach Hause bezahlen. Wir entschieden uns für Letzteres und fuhren zurück zu unserem schweizerischen Glaubensbruder.
Dort spät nachts angekommen, klingelte ich an seiner Haustür. Nach einiger Zeit hörte ich von drinnen eine Stimme: „Wer ist dort?“ „Ich, Friedemar!“ „Wer?“ „Ich, Friedemar!“ Die Tür öffnete sich und ich sah in das erstarrte Gesicht des Bruders. (Später sagte er mir, dass er in diesem Moment glaubte, einen Geist vor sich zu sehen!) „Wir haben gerade noch für euch gebetet und waren sicher, dass ihr schon im Flugzeug seid.“ Ich erklärte ihm, was passiert war.
Jetzt hatten wir noch Zeit, in Ruhe alles aufzuräumen, und zwei Tage später konnten wir dann endlich fliegen. Tage vorher hatte ich in meiner täglichen Bibellektüre obigen Vers aus Jes. 52,12. Und er kam mir jetzt wieder in den Sinn. Es war wie eine persönliche Verheißung für uns gewesen. Tatsächlich zogen wir nicht in Hast und Flucht nach Ecuador aus. Auch wenn unsere Pläne manchmal durcheinander kommen, Gottes Zeitpläne sind perfekt!
Im Durcheinander unserer Pläne entfaltet sich Gottes Führung.
Friedemar Becker
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Jesaja 52:
Gott ruft sein Volk in die Freiheit
1 Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn es wird hinfort kein Unbeschnittener oder Unreiner zu dir hineingehen. 2 Schüttle den Staub ab, steh auf, Jerusalem, du Gefangene! Mach dich los von den Fesseln deines Halses, du gefangene Tochter Zion! 3 Denn so spricht der HERR: Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld ausgelöst werden.
4 So spricht Gott der HERR: Mein Volk zog einst hinab nach Ägypten, dass es dort ein Fremdling wäre; auch Assur hat ihm ohne Grund Gewalt angetan. 5Aber nun, was habe ich hier zu schaffen?, spricht der HERR. Mein Volk ist umsonst weggeführt; seine Tyrannen prahlen, spricht der HERR, und mein Name wird immer den ganzen Tag gelästert. 6 Darum soll an jenem Tag mein Volk meinen Namen erkennen, dass ich es bin, der da spricht: Hier bin ich!
Die frohe Botschaft
7 Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! 8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt
9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
11 Weicht, weicht, zieht aus von dort und rührt nichts Unreines an! Geht weg aus ihrer Mitte, reinigt euch, die ihr des HERRN Geräte tragt! 12 Denn ihr sollt nicht in Eile ausziehen und in Hast entfliehen; denn der HERR wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.
Das stellvertretende Leiden und die Herrlichkeit des Knechtes Gottes
13 Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14 Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder, 15 so wird er viele Heiden besprengen, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.



