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Brot des Lebens Ein täglicher Impuls für das Leben mit Jesus

Montag, 18. Mai 2026

ich habe euch erwählt und bestimmt

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe. (Joh. 15:16)

Ein fataler Irrtum

In einer Bibelstunde hörte ich einmal jemanden sagen: „Gott hat uns erwählt, weil er von Ewigkeit her wusste, dass wir an ihn glauben würden.“
Ich kann mich auch erinnern: In einem Jugendkreis meiner Heimatstadt sangen wir früher gern das schöne Lied: „Ich sage Ja zu dir, denn du sagst auch Ja zu mir …“. Und dabei machten sich einige einen Spaß daraus, das „Ich“ mit besonderem Nachdruck zu singen. So gewann man schon fast den Eindruck, Gott müsse sich eigentlich bei uns dafür bedanken, dass wir so gnädig waren, sein Evangelium anzunehmen und an seinen Sohn Jesus Christus zu glauben. 
Doch ist das wirklich so? Hat Gott am Tag unserer Bekehrung tatsächlich gesagt: „Was – du bist so großmütig und hast dich herabgelassen, an das Evangelium von meinem Sohn zu glauben? Da bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als dich zu erwählen!“
Ich denke: Wer meint, dass Gott so denkt und redet, befindet sich fundamental im Irrtum. Es heißt, den Karren vor das Pferd zu spannen, den Waggon vor die Lokomotive, oder was für ein Bild man auch gebrauchen mag, um zu verdeutlichen, was hier eigentlich gesagt wird und geschieht.
Wer sagt: „Gott hat mich erwählt, weil er von Ewigkeit her wusste, dass ich an ihn glauben würde“, sagt nämlich damit im Grunde: „Ich habe mich selbst erwählt.“ Es waren mein Verdienst und meine Würdigkeit, die zu meiner Erwählung geführt haben!
Aber in der Bibel finden wir ganz andere Töne – allen voran in dem schon oben zitierten Jesuswort:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe.“ (Joh. 15,16)
Und auch in der folgenden Aussage:
„Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.“ (Joh. 3,27)
Der Herr selbst sagt noch:
„Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ (Joh. 6,44)
„Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.“ (Joh. 6,65).
Das heißt: Auch der Satz: „Ich kann jederzeit zu Jesus kommen“, ist in Frage zu stellen. Ja, Du kannst jederzeit kommen – wenn Gott dir die Möglichkeit dazu unterschiebt. Sonst nicht.
Damit mich aber niemand missversteht: Nach dem Zeugnis der Bibel gilt das Evangelium allen Menschen (Joh. 3,16). Christus ist nicht nur für die Auserwählten gestorben (1. Joh. 2,2). Und es spielt auch der menschliche Wille eine wichtige Rolle. Du bist verantwortlich dafür, an Jesus zu glauben. Wenn du es nicht tust, gilt der Satz: „Unglaube ist nicht Schicksal, sondern Schuld.“ Du musst das Geheimnis der göttlichen Erwählung nicht verstehen, aber du musst deinen Teil der Verantwortung wahrnehmen, wenn Gottes Ruf dich trifft. Diese beiden Gegensätze stehen in der Bibel immer nebeneinander. Wir können nichts tun, als uns unter beide zu beugen und sie stehenzulassen.
Wie heißt es am Schluss der Offenbarung?
„Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“
Aber wenn es dich nach Vergebung, Frieden und ewigem Leben dürstet, ist das bereits Einwirkung der göttlichen Gnade, nicht deine Leistung, auf die du dir etwas einbilden könntest. Nein, es bleibt dabei, wie der Liederdichter sagt:
„Hättst du dich nicht zuerst an mich gehangen, ich wär‘ von selbst dich wohl nicht suchen gangen.“
Ein schwieriges Thema, ich weiß. Viel mehr müsste und könnte dazu gesagt werden. Aber wenn wir bibeltreue Christen sein wollen, müssen wir an beide Wahrheiten glauben: an das Geheimnis der göttlichen Erwählung und an die menschliche Verantwortlichkeit. Es gibt hier kein Entweder–oder, sondern nur ein Sowohl–als–auch.

Die Initiative zu unserer Rettung geht immer von Gott aus – durchgängig.

Peter Engler

Tägliche Bibellese

Der Bibelvers im Zusammenhang Johannes 15:

Der wahre Weinstock
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
Das Gebot der Liebe
9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. 11 Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.
12 Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. 13Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe.
17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.
Der Hass der Welt
18 Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. 19 Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. 20 Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. 21 Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.
22 Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, um ihre Sünde zu entschuldigen. 23 Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater. 24 Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und doch hassen sie mich und meinen Vater. 25 Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Grund« Ps 69,5.
26 Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. 27 Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Das tägliche Bibel-Quiz

 

Ergebnisse

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Lies die angegebenen Kapitel im Johannesevangelium sorgfältig durch und versuche es nochmal!

#1. Was ist laut dem Impuls von Peter Engler der „grundlegende Irrtum“, den Menschen häufig in Bezug auf die Lehre von der göttlichen Erwählung begehen?

#2. Wie interpretiert der Autor die biblische Aussage: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater … zieht ihn“ (Johannes 6,44)?

#3. Wie sollte ein „bibeltreuer Christ“ nach Peter Engler mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen göttlicher Erwählung und menschlicher Verantwortung umgehen?

#4. Dem Text zufolge: Wenn eine Person einen „Durst“ nach Vergebung und ewigem Leben verspürt – worauf deutet dies hin?

#5. Was meint der Autor mit der Aussage: „Unglaube ist kein Schicksal, sondern Schuld“?

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