Tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. (Ps. 51:17)
Ein „Unzeugnis“ und ein Zeugnis
Es ist schon wieder passiert: Nachdem ich vier Monate lang glücklich zuhause gewesen war, musste ich erneut ins Krankenhaus – zum Glück nur für eine Woche. Meine Magenprobleme konnten behoben werden. Doch ich muss weiterhin ständig auf der Hut sein, damit nicht wieder etwas schiefgeht.
Während meiner Krankenhausaufenthalte in den vergangenen zwei Jahren hatte ich immer wieder Gelegenheit, mit Menschen über das Evangelium zu sprechen. Ich erinnere mich an einen schwer kranken Mann, der in Würzburg eine Zeit lang neben mir lag. Wir verstanden uns so gut, dass ich schließlich sogar mit ihm zusammen ein Tischgebet sprechen durfte, wenn das Essen kam. Nach dem Krankenhausaufenthalt schrieben wir uns noch längere Zeit; auch heute haben wir – wenn auch sehr sporadisch – Kontakt zueinander.
In Schweinfurt hatte ich eine sehr gute Begegnung mit einem Industriemanager. Abendelang sprachen wir über das Evangelium und über Glaubensfragen, auch wenn er bei seinem angestammten Glauben bleiben wollte.
Und das waren nicht die einzigen Gelegenheiten. Die Frage: „Was haben Sie beruflich gemacht?“, bot mir jedes Mal eine Steilvorlage.
Doch diesmal wollte es mit meinem Zimmerkollegen einfach nicht klappen. Während es mir vom Magen her schlecht ging, schaute er immer wieder Kochsendungen. Da wurden mir die köstlichsten Menüs mit wunderbar zubereitetem Fleisch und allerlei anderen Speisen vor Augen geführt. Passender ging’s nicht …
Am Abend lief Fußball, dazwischen Werbung, Werbung, Werbung (so auch bei den Kochsendungen). Spätestens beim zehnten Werbespruch nach dem Muster: „Sie wollen wissen, wie viel Ihr Auto noch wert ist?“ hatte ich endgültig genug.
Leider war mein Zimmernachbar sehr auf sich selbst fixiert. Er stellte mir keine einzige Frage – weder nach meinem Alter noch nach meinem früheren Beruf oder Ähnlichem. Wir fanden einfach keinen Draht zueinander. Nach drei Tagen wurde er entlassen, und ich hatte ihm kein Zeugnis gegeben. Das verursachte mir natürlich Schuldgefühle. Aber ich habe es einfach nicht hingekriegt.
Dafür kümmerte sich ein somalischer Pflegehelfer um mich, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt, eine Ausbildung absolviert hat und recht gut Deutsch spricht. Eines Morgens – und auch sonst – versorgte er mich ausgesprochen fürsorglich. Weil es mir so schlecht ging, half er mir beim Waschen. Seine einfühlsame und ruhige Art war eine Wohltat. Wir kamen auf sein Heimatland zu sprechen. Ich erzählte ihm, dass ich jemanden kenne, der unter Somalis gearbeitet hat und noch immer arbeitet. Da wurde er sofort hellhörig. Er war Muslim, wirkte auf mich jedoch nicht verbohrt. Ich sagte ihm, dass ich Christ bin und in Jesus das wahre Leben gefunden habe. Für seine freundliche Art und seinen Dienst an mir habe ich ihn sehr gelobt. Zum Abschied erhielt er eine Schachtel Pralinen, mit einer kleinen Karte dran, die auf einen christlichen Radiosender hinwies, der auch in seiner Sprache sendet. Wer weiß, was Gott daraus macht!
So läuft es: Einmal versagt man völlig, ein anderes Mal ergibt sich das Zeugnis ganz natürlich. Entscheidend ist, so denke ich, dass wir nicht aufgeben: Für unser Versagen dürfen wir um Vergebung bitten – und bei der nächsten Gelegenheit wachsamer sein. Wenn wir nur immer wieder dahin kommen, unseren Herrn zu bekennen: „Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet“ (Röm. 10,10).
Wenn Gott dir eine Tür zum Zeugnis öffnet – geh hindurch!
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Psalm 51:
Gott, sei mir Sünder gnädig! (Der vierte Bußpsalm)
1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, 2 Als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war.
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte,
und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
4 Wasche mich rein von meiner Missetat,
und reinige mich von meiner Sünde;
5 denn ich erkenne meine Missetat,
und meine Sünde ist immer vor mir.
6 An dir allein habe ich gesündigt
und übel vor dir getan,
auf dass du recht behaltest in deinen Worten
und rein dastehst, wenn du richtest.
7 Siehe, ich bin als Sünder geboren,
und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.
8 Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,
und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
9Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde;
wasche mich, dass ich schneeweiß werde.
10 Lass mich hören Freude und Wonne,
dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.
11 Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden,
und tilge alle meine Missetat.
12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.
14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.
15 Ich will die Übertreter deine Wege lehren,
dass sich die Sünder zu dir bekehren.
16 Errette mich von Blutschuld, /
Gott, der du mein Gott und Heiland bist,
dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.
17 Herr, tu meine Lippen auf,
dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.
18 Denn Schlachtopfer willst du nicht, /
ich wollte sie dir sonst geben,
und Brandopfer gefallen dir nicht.
19 Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist,
ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
20 Tu wohl an Zion nach deiner Gnade,
baue die Mauern zu Jerusalem.
21 Dann werden dir gefallen rechte Opfer, /
Brandopfer und Ganzopfer;
dann wird man Stiere auf deinem Altar opfern.
