Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit empfangen. (Spr. 28:13)
„Sündenbekenntnis – eine Predigt mit sechs Texten“
Schon seit vielen Jahren ist es meine Gewohnheit, am Sonntag noch eine Spurgeon-Predigt zu lesen. Manchmal wechsle ich auch den Autor, aus Abwechslungsgründen – aber ihr könnt sicher sein: Irgendwann komme ich wieder zu Spurgeon zurück. Zurzeit lese ich einen Predigtband mit dem Titel: „Evangelisches Hausbuch. 52 Predigten zur christlichen Erbauung, nach den Sonn- und Feiertagen des Kirchenjahres geordnet.“ Der Band stammt aus dem Jahr 1870 und ist seinerzeit erschienen in Basel und Ludwigsburg, bei Druck und Verlag von Ferdinand Riehm. Am 6. Sonntag nach Trinitatis hieß die Predigt: „Sündenbekenntnis – eine Predigt mit sechs Texten.“ Spurgeon bespricht in ihr fünf falsche Sündenbekenntnisse und ein richtiges. Da wird genannt:
- Der verhärtete Sünder aus 2. Mose 9,27: der Pharao des Auszugs aus Ägypten, der einsieht, dass er gesündigt hat – aber sein Herz anschließend nur noch umso mehr verhärtet.
- Der Doppelherzige aus 4. Mose 22,34: Bileam, der erst seine Sünde bekennt, aber nachher das Volk Israel verflucht und verführt.
- Der Unaufrichtige aus 1. Sam. 15,24: Saul, der vor Samuel seine Sünde bekennt, aber nur, um seine Ehre zu retten.
- Der zweifelhafte Büßer aus Jos. 7,20: Achan, der vom Gebannten nahm, aber nur bekannte, um von sich und seiner Familie vielleicht noch das Schlimmste abzuwenden.
- Der verzweifelte Büßer aus Mt. 27,5: Judas, der seine Sünde bekannte, aber im letzten Grund keinen Raum mehr zu echter Buße fand und im Selbstmord endete.
- Der aufrichtige Sündenbekenner aus Lk. 15,8: Der verlorene Sohn, der heimkehrte und nur noch Tagelöhner im Hause seines Vaters sein wollte. Weil er sich wirklich und aufrichtig demütigte, fand er Erbarmen.
Und das alles gipfelt dann in der bewegenden Beschreibung des barmherzigen Vaters:
- „Sein Vater sah ihn – das waren Augen der Barmherzigkeit;
- er lief ihm entgegen – das waren Füße der Barmherzigkeit;
- er umschlang seinen Hals mit seinen Armen – das waren Arme der Barmherzigkeit;
- er küsste ihn mit Küssen der Barmherzigkeit;
- er redete zu ihm mit Worten der Barmherzigkeit; da waren Taten und Wunder der Barmherzigkeit – alles lauter Erbarmen. O, was für ein Gott der Barmherzigkeit ist er!“.
Glaubt ihr mir, dass ich erbaut von meinem Leseplatz aufstand?
Eine gute Predigt am Sonntag ist ein Teil der optimalen Vorbereitung auf Montag bis Samstag.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Sprüche 28:
1 Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt; der Gerechte aber ist furchtlos wie ein junger Löwe.
2 Um des Landes Sünde willen wechseln häufig seine Herren; aber durch einen verständigen und vernünftigen Mann gewinnt das Recht Bestand.
3 Ein gottloser Mann, der die Geringen bedrückt, ist wie ein Platzregen, der die Frucht verdirbt.
4 Wer die Weisung verlässt, rühmt den Gottlosen; wer sie aber bewahrt, der bekämpft ihn.
5 Böse Leute verstehen nichts vom Recht; die aber nach dem HERRN fragen, verstehen alles.
6 Besser ein Armer, der in seiner Unsträflichkeit wandelt, als ein Reicher, der auf verkehrten Wegen geht.
7 Wer die Lehre bewahrt, ist ein verständiger Sohn; wer aber der Schlemmer Geselle ist, macht seinem Vater Schande.
8 Wer sein Gut mehrt mit Zinsen und Aufschlag, der sammelt es für den, der sich der Armen erbarmt.
9 Wer sein Ohr abwendet, um die Weisung nicht zu hören, dessen Gebet ist ein Gräuel.
10 Wer die Frommen verführt auf einen bösen Weg, wird selbst in seine Grube fallen; aber die Frommen werden Gutes ererben.
11 Ein Reicher meint weise zu sein, aber ein verständiger Armer durchschaut ihn.
12 Wenn die Gerechten Oberhand haben, so ist herrliche Zeit; wenn aber die Gottlosen hochkommen, verbergen sich die Leute.
13 Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.
14 Wohl dem, der Gott allewege fürchtet! Wer aber sein Herz verhärtet, wird in Unglück fallen.
15 Ein Gottloser, der über ein armes Volk regiert, ist wie ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär.
16 Wenn ein Fürst ohne Verstand ist, so geschieht viel Unrecht; wer aber unrechten Gewinn hasst, wird lange leben.
17 Wer schuldig ist am Blut eines Menschen, der wird flüchtig sein bis zum Grabe, und niemand helfe ihm!
18 Wer ohne Tadel einhergeht, dem wird geholfen; wer aber verkehrte Wege geht, wird in eine Grube fallen.
19 Wer seinen Acker bebaut, wird Brot genug haben; wer aber nichtigen Dingen nachgeht, wird Armut genug haben.
20 Ein treuer Mann wird von vielen gesegnet; wer aber eilt, reich zu werden, wird nicht ohne Schuld bleiben.
21 Die Person ansehen ist nicht gut; aber mancher vergeht sich schon um ein Stück Brot.
22 Wer habgierig ist, jagt nach Reichtum und weiß nicht, dass Mangel über ihn kommen wird.
23 Wer einen Menschen zurechtweist, wird zuletzt Dank haben, mehr als der da freundlich tut.
24 Wer seinem Vater oder seiner Mutter etwas nimmt und spricht, es sei nicht Sünde, der ist des Verderbers Geselle.
25 Ein Habgieriger erweckt Zank; wer sich aber auf den HERRN verlässt, wird gelabt.
26 Wer sich auf seinen Verstand verlässt, ist ein Tor; wer aber in der Weisheit wandelt, wird entrinnen.
27 Wer dem Armen gibt, dem wird nichts mangeln; wer aber seine Augen abwendet, der wird von vielen verflucht.
28 Wenn die Gottlosen hochkommen, so verbergen sich die Leute; wenn sie aber umkommen, werden der Gerechten viel.
