„Herr, lass mich wieder genesen und leben!“ (Jes. 38:16)
Ein ebenso ergreifendes wie kurzes Gebet
Viele meiner Leser werden den nachfolgenden Vers gut kennen: „Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“ (Jes. 38,17) Aber den Vers, der diesem vorausgeht, überliest man beinahe. So erging es mir lange Jahre – bis neulich.
Er stammt aus dem Gebet des Königs Hiskia, als dieser todkrank war und seinen Gott anflehte, er möge doch an ihn gedenken, an seine Treue Gott gegenüber und auch an alles andere, was zwischen ihm und seinem Gott schon gegangen war. Und Gott ließ sich erbitten und legte Hiskia noch einmal 15 Lebensjahre zu!
Was an diesem Gebet auffällt, ist neben seinem ergreifenden Flehen auch seine Schlichtheit und Kürze. Wir müssen Gott gar nicht immer stundenlang mit unserem Bitten in den Ohren liegen. Hier genügte schon eine kurze Gebetsbitte, um Gottes Herz zu rühren. Wenn unser Anliegen mit Gottes Willen übereinstimmt, reichen oft schon wenige Worte und Sätze, um ihn zum Handeln zu bewegen.
Darum fasse Mut, auch wenn du gerade keine langen und ausgedehnten Gebete sprechen kannst. Schon ein zaghaftes Rufen oder kurzes Schreien mag genügen, um deine Gebetsbitte zur Erfüllung zu bringen!
„Kurze Gebete sind lang genug. So manches Gebet erstickt unter einer Bettdecke von Worten.“ (C. H. Spurgeon)
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Jesaja 38:
Hiskias Krankheit, Genesung und Danklied
1 Zu der Zeit wurde Hiskia todkrank. Und der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. 2 Da wandte Hiskia sein Angesicht zur Wand und betete zum HERRN 3 und sprach: Gedenke doch, HERR, wie ich vor dir in Treue und ungeteilten Herzens gewandelt bin und habe getan, was dir gefallen hat. Und Hiskia weinte sehr. 4 Da geschah das Wort des HERRN zu Jesaja: 5 Geh hin und sage Hiskia: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will deinen Tagen noch fünfzehn Jahre zulegen 6 und will dich samt dieser Stadt erretten aus der Hand des Königs von Assyrien und will diese Stadt beschirmen. 7 Und dies sei dir das Zeichen von dem HERRN, dass der HERR tun wird, was er zugesagt hat: 8 Siehe, ich will den Schatten an der Sonnenuhr des Ahas zehn Striche zurückziehen, über die er gelaufen ist. Und die Sonne lief zehn Striche zurück an der Sonnenuhr, über die sie gelaufen war.
9 Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war:
10 Ich sprach: Nun muss ich zu des Totenreiches Pforten fahren in der Mitte meines Lebens,
da ich doch gedachte, noch länger zu leben.
11 Ich sprach: Nun werde ich den HERRN nicht mehr schauen
im Lande der Lebendigen,
nun werde ich die Menschen nicht mehr sehen
mit denen, die auf der Welt sind.
12 Meine Hütte ist abgebrochen
und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt.
Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber;
er schneidet mich ab vom Faden.
Tag und Nacht gibst du mich preis;
13 bis zum Morgen schreie ich um Hilfe;
aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe;
Tag und Nacht gibst du mich preis.
14 Ich zwitschere wie eine Schwalbe
und gurre wie eine Taube.
Meine Augen sehen verlangend nach oben:
Herr, ich leide Not, tritt für mich ein!
15 Was soll ich reden und was ihm sagen?
Er hat’s getan!
Entflohen ist all mein Schlaf
bei solcher Betrübnis meiner Seele.
16 Herr, lass mich wieder genesen
und leben!
17 Siehe, um Trost war mir sehr bange.
Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen,
dass sie nicht verdürbe;
denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.
18 Denn die Toten loben dich nicht,
und der Tod rühmt dich nicht,
und die in die Grube fahren,
warten nicht auf deine Treue;
19 sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute.
Der Vater macht den Kindern deine Treue kund.
20 Der HERR hat mir geholfen,
darum wollen wir singen und spielen,
solange wir leben,
im Hause des HERRN!
21Und Jesaja sprach, man solle ein Pflaster von Feigen nehmen und auf sein Geschwür legen, dass er gesund würde. 22 Hiskia aber sprach: Was ist das Zeichen, dass ich wieder zum Hause des HERRN hinaufgehen kann?
