Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. (1. Kor. 3:8)
Der individuelle Lohn
Ich muss oft über die Gläubigen vergangener Jahrhunderte nachdenken und über die Bedingungen, unter denen sie ihren Dienst getan haben. Noch im 19. und teilweise sogar im 20. Jahrhundert geschah vieles auf ähnliche Weise wie in all den Jahrhunderten zuvor. Wie werden jene Gläubigen im Himmel staunen, wenn sie von uns hören: Wir haben unseren Dienst für den Herrn mit Computern, Internet, Smartphones und KI getan. Sie werden nicht einmal verstehen, wovon wir reden, und uns nur mit offenem Mund anstarren. Vielleicht werden sie sagen: „Wir schrieben mit Federkiel bei Kerzenlicht. Schon von elektrischem Licht, Telefonen oder Schreibmaschinen hatten wir nie etwas gehört.“ Und andere werden wieder von ganz anderen Dingen nichts gewusst haben.
So waren für viele die Rahmenbedingungen ganz andere als heute. Denken wir nur an das 17. und 18. Jahrhundert, an die Reformationszeit, an das Mittelalter, oder an das Frühchristentum bis hin zur Zeit der ersten Christen.
Doch gepflanzt und begossen wurde in allen Jahrhunderten. Gemeindebau und Lehre waren stets wichtig – und natürlich zuvor auch die Evangelisation.
Wie gut, dass ich meinen Dienst für Gott weder mit dem eines Georg Müller oder Hudson Taylor noch mit dem eines Martin Luther oder Philipp Melanchthon vergleichen muss. Ebenso wenig muss ich mich an Gläubigen aus noch weiter zurückliegenden Jahrhunderten bis hin zur Urgemeinde messen.
Aber ich habe mich in meinem Leben oft darüber gegrämt, dass ich kein Erntearbeiter sein durfte. Ich habe keine ausgeprägt evangelistische Gabe und bin auch kein Gemeindegründer. Dafür durfte ich mein Leben lang etliche Menschen im Wort Gottes unterweisen. Und ich habe – das kann ich wohl ohne Übertreibung sagen – Tausende von Fragen zur Bibel beantwortet: viele mündlich, vielleicht noch mehr schriftlich. Das Unterweisen und das Schreiben von Predigten oder Andachten wie dieser hier bildeten, neben einigen anderen Aufgaben, meinen Hauptdienst für den Herrn. Nur sieht man die Ergebnisse nicht immer so deutlich wie etwa bei großen Evangelisten nach ihren evangelistischen Feldzügen – sofern diese Ergebnisse echt sind.
Wie sehr hat es mich da beruhigt, als mir unser Tagesvers zu Hilfe kam: „Ein jeglicher wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.“ Ich bin nicht verantwortlich für das, was der Bruder oder die Schwester neben mir für den Herrn tut oder getan hat. Auch lebe ich unter anderen Rahmenbedingungen als die Gläubigen vergangener Zeiten. Gott aber wird meinen Dienst für ihn nach den Möglichkeiten beurteilen, die mir gegeben waren. Und wenn ich es recht gemacht habe, darf ich meinen Lohn und mein Lob von ihm empfangen (vgl. 1. Kor. 4,5). Um alles andere muss ich mir keine Sorgen oder Gedanken machen. Und das ist doch ein sehr tröstlicher Gedanke.
Gott misst meinen Dienst nicht am Ertrag des anderen, sondern an meiner Treue mit dem, was er mir anvertraut hat.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang 1. Korinther 3:
Unmündigkeit der Korinther
1 Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. 2 Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr’s noch nicht, 3 weil ihr noch fleischlich seid. Denn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise? 4 Denn wenn der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere aber: Ich zu Apollos –, ist das nicht nach Menschenweise geredet?
Mitarbeiter Gottes
5 Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: 6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. 7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.
Kein Grund zum Ruhm
18 Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, dass er weise werde. 19 Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben Hiob 5,13: »Die Weisen fängt er in ihrer Klugheit«, 20 und wiederum Ps 94,11: »Der Herr kennt die Gedanken der Weisen, dass sie nichtig sind.« 21 Darum rühme sich niemand eines Menschen; denn alles ist euer: 22 Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer, 23 ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.
