Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. (Jer. 29:7)
Meine Heimatstadt
Meine Heimatstadt ist das unterfränkische Schweinfurt – eine Industriestadt mit rund 55.000 Einwohnern. Die ersten 20 Jahre meines Lebens habe ich hier verbracht. Hier bin ich aufgewachsen. Hier bin ich zur Schule gegangen und habe mein Abitur gemacht. Hier habe ich damals seelisch schwierige Zeiten durchgestanden. Hier habe ich aber auch den Herrn kennengelernt: im örtlichen CVJM. Und später fand ich hier meine erste christliche Gemeinde.
Danach war ich viele Jahre und Jahrzehnte aus beruflichen Gründen weg. Als im Jahr 2019 mein Ruhestand begann, kehrten meine Frau und ich wieder dorthin zurück, wo ich herkam. Für sie war das nicht einfach, denn sie kommt aus der schönen Schweiz und ist mit Leib und Seele Schweizerin. Aber in der Schweiz hätten wir nicht leben können. So ging sie notgedrungen mit mir. Und ich musste auch lernen: Man trägt die Stadt noch im Herzen, aber die Stadt trägt einen nicht.
Doch ihr könnt machen, was ihr wollt: Ich liebe meine Heimatstadt. Sie hat sich seit meinen Kindertagen natürlich sehr verändert. Viele Orte, die mir in der Kindheit lieb und teuer waren, sind verschwunden. Oder sie sind so verändert worden, dass ich sie kaum wiedererkannt habe. Das hat für mich schon die eine oder andere bittere Enttäuschung mit sich gebracht.
Auch die Zusammensetzung der Einwohnerschaft hat sich sehr verändert, und das nicht unbedingt zum Positiven. Wirtschaftlich befindet sich Schweinfurt in einer schwierigen Situation. Und auch sonst entspricht manches nicht dem, was man sich wünschen würde.
Aber ich sage es noch einmal und dennoch: Ich liebe meine Heimatstadt. Wenn ich an sie denke, tauchen sofort verschiedene Bilder vor mir auf: ein schattiger Park, mit dem sich für mich schöne Erinnerungen verbinden, und andere markante Orte meiner Kindheit; viele Gegebenheiten, die schon längst verschwunden sind, und manche schöne Erinnerung an Menschen, die mich geliebt und mir Gutes getan haben. Und natürlich gehört auch der unterfränkische Dialekt dazu – mit dem weichen „B“ statt „P“ und „D“ statt „T“! („Beder“).
In dieser Hinsicht bin ich ein hoffnungsloser Nostalgiker. Darum habe ich in meiner Bibliothek auch eine ganze Anzahl von Büchern, die sich mit der Geschichte und Kultur Schweinfurts beschäftigen. Ich kann tief darin eintauchen. Auch wenn ich weiß: Ich selbst habe die Stadtgeschichte ja erst seit Mitte der 50er-Jahre miterlebt, und was davor geschehen ist, war nicht immer rühmlich. Zum Glück sind mir das Grauen und die Zerstörungen erspart geblieben, die der Zweite Weltkrieg angerichtet hat.
Und da ich den obigen Vers kenne, steht Schweinfurt natürlich auch auf meiner Gebetsliste: „Herr, segne meine Stadt – auch im Geistlichen. Hilf, dass wir aus der wirtschaftlichen und aus anderen Miseren herausfinden. Und vor allem hilf, dass noch etwas von dem alten Schweinfurt erhalten bleibt, das ich kannte!“
Wie ist das mit dir? Liebst du deine Heimatstadt auch? Betest du für sie?
Ich will für Schweinfurt beten, solange ich lebe – nicht weil alles so ist, wie ich es mir wünsche, sondern weil diese Stadt ein Teil meiner Geschichte ist und mir deshalb am Herzen liegt. Und vielleicht gehört genau das zu dem, was Jeremia meint: die Stadt nicht idealisieren, aber ihr Bestes suchen; nicht alles gutheißen, aber für sie einstehen; nicht an allem hängen, was früher war, aber dankbar bewahren, was Gott uns durch sie geschenkt hat.
Was einst wohl auch eher schwierig war, erscheint im Rückblick oft in sonniger Verklärung.
Peter Engler
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Jeremia 29:
Jeremias Brief an die Weggeführten in Babel
1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte 2 – nachdem der König Jechonja und die Königinmutter mit den Kämmerern und Oberen in Juda und Jerusalem samt den Zimmerleuten und Schmieden aus Jerusalem weggeführt waren –, 3 durch Elasa, den Sohn Schafans, und Gemarja, den Sohn Hilkijas, die Zedekia, der König von Juda, nach Babel sandte zu Nebukadnezar, dem König von Babel:
4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: 5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.
8 Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen! 9 Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR.
10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. 11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. 12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören. 13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.
15 Zwar meint ihr, der HERR habe euch auch in Babel Propheten erstehen lassen. – 16 Fürwahr, so spricht der HERR über den König, der auf Davids Thron sitzt, und über das ganze Volk, das in dieser Stadt wohnt, über eure Brüder, die nicht mit euch in die Gefangenschaft gezogen sind, 17 ja, so spricht der HERR Zebaoth: Siehe, ich will Schwert, Hunger und Pest unter sie schicken und will sie machen wie die schlechten Feigen, davor einem ekelt zu essen, 18 und will hinter ihnen her sein mit Schwert, Hunger und Pest und will sie zum Bild des Entsetzens machen für alle Königreiche auf Erden, zum Fluch, zum Grauen, zum Hohn und zum Spott unter allen Völkern, wohin ich sie verstoßen werde, 19 weil sie meinen Worten nicht gehorchten, spricht der HERR, der ich meine Knechte, die Propheten, immer wieder zu euch gesandt habe; aber ihr wolltet nicht hören, spricht der HERR.
20 Aber ihr alle, die ihr gefangen weggeführt seid, die ich von Jerusalem habe nach Babel ziehen lassen, höret des HERRN Wort! 21 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, wider Ahab, den Sohn Kolajas, und wider Zidkija, den Sohn Maasejas, die euch Lügen weissagen in meinem Namen: Siehe, ich will sie geben in die Hände Nebukadnezars, des Königs von Babel. Der soll sie totschlagen lassen vor euren Augen, 22 sodass man ihre Namen zum Fluchwort machen wird unter allen Weggeführten aus Juda, die in Babel sind, und sagen: Der HERR tue an dir wie an Zidkija und Ahab, die der König von Babel im Feuer rösten ließ, 23 weil sie eine Schandtat in Israel begingen und Ehebruch trieben mit den Frauen ihrer Nächsten und in meinem Namen Lüge predigten, was ich ihnen nicht befohlen hatte. Solches weiß ich und bezeuge es, spricht der HERR.
Jeremia und Schemaja
24 Und wider Schemaja von Nehelam sollst du sagen: 25 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Weil du unter deinem Namen Briefe gesandt hast an alles Volk, das in Jerusalem ist, an den Priester Zefanja, den Sohn Maasejas, und an alle Priester und gesagt: 26 Der HERR hat dich zum Priester bestellt anstatt des Priesters Jojada, dass du Aufseher sein sollst im Hause des HERRN über alle Wahnsinnigen und Weissager, dass du sie in Block und Eisen legst, – 27 nun, warum strafst du dann nicht Jeremia von Anatot, der euch weissagt? 28Hat er doch zu uns nach Babel geschickt und sagen lassen: Es wird noch lange währen; baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte.
29 Es hatte nämlich der Priester Zefanja den Brief vorgelesen vor den Ohren des Propheten Jeremia.
30 Da geschah des HERRN Wort zu Jeremia: 31 Sende hin zu allen Weggeführten und lass ihnen sagen: So spricht der HERR wider Schemaja von Nehelam: Weil euch Schemaja weissagt – und ich habe ihn doch nicht gesandt – und macht, dass ihr auf Lügen vertraut, 32 darum spricht der HERR: Siehe, ich will Schemaja von Nehelam heimsuchen samt seinen Nachkommen, dass keiner von den Seinen unter diesem Volk bleiben soll. Und er soll das Gute nicht sehen, das ich meinem Volk tun will, spricht der HERR; denn er hat es mit seiner Rede vom HERRN abgewendet.
