Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt. (Hebr. 13:1-3)
Philadelphia
Vor einiger Zeit haben wir im Hauskreis das letzte Kapitel des Hebräerbriefs näher betrachtet. Der Verfasser – manche denken, es sei Paulus gewesen und der Meinung bin ich auch – gibt den Hebräern, genauer gesagt den messianischen Juden, letzte Ermahnungen mit. Dabei ist mir besonders die erste Aufforderung aufgefallen: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.“
Bruderliebe heißt im Griechischen Philadelphia. Das Wort setzt sich aus phileo (lieben) und adelphos (Bruder) zusammen und bedeutet: Liebe zu den Brüdern.
In der Bibel gibt es auch eine Stadt dieses Namens. Sie wurde von Attalus II. Philadelphos von Pergamum gegründet. Erwähnt wird sie im Zusammenhang mit der dortigen Gemeinde, die als einzige der sieben Gemeinden in Kleinasien nicht getadelt, sondern für ihre Treue gelobt wird (Offb. 3,10).
Ein modernes Beispiel für diesen Namen ist die Stadt Philadelphia in den USA, im Bundesstaat Pennsylvania. Sie ist durch die diesjährige Fußballweltmeisterschaft vielen Menschen als einer der Austragungsorte bekannt. Sie wurde 1682 von William Penn, einem christlichen Quäker aus England, gegründet. Sein Wunsch war es wohl, einen friedlichen Ort zu schaffen – einen Ort ohne Waffengewalt und mit gelebter brüderlicher Liebe.
Auch der Apostel Johannes greift diesen Gedanken auf und schreibt in 1. Joh. 4,19–21: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, der auch seinen Bruder liebe.“
Allzu oft vergessen wir, dass unser Bruder und unsere Schwester nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Allzu schnell sehen wir die Fehler und das Versagen unserer Geschwister und verurteilen sie lieblos. Haben wir vergessen, dass unser Herr und Heiland uns „zehntausend Zentner Silber“ an Schulden erlassen hat, während wir selbst die „hundert Silbergroschen“ von unserem Bruder einfordern? (Vgl. dazu Mt. 18,24).
Lasst uns nicht wie jener Mensch in der Bergpredigt Jesu handeln, von dem der Herr sagt: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“ (Mt. 7,3). Lasst uns lieber zuerst unsere eigene Sündhaftigkeit, unseren Hochmut und unseren Stolz ablegen, bevor wir anfangen, die Sündensplitter unseres Bruders aufdecken zu wollen.
Herr Jesus, vergib uns, wo wir in Gefahr stehen, unsere Geschwister zu verurteilen. Lehre uns, so zu lieben, wie du uns geliebt hast. Lass diese brüderliche Liebe in unseren Gemeinden sichtbar werden – zur Ehre Gottes und zum Segen füreinander.
Jedes Mal, wenn wir einen Splitter im Auge unseres Bruders sehen, befindet sich ein Balken in unserem Auge.
Gerd Brändlein
Tägliche Bibellese
Der Bibelvers im Zusammenhang Hebräer 13
Letzte Ermahnungen
1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.
4 Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten.
5 Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt Jos 1,5: »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.« 6 So können auch wir getrost sagen Ps 118,6: »Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was kann mir ein Mensch tun?«
7 Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach. 8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
9 Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die damit umgehen.
10 Wir haben einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. 11 Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. 12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
15 So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. 16 Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.
17 Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen – und dafür müssen sie Rechenschaft geben –, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch.
18 Betet für uns. Unser Trost ist, dass wir ein gutes Gewissen haben, und wir wollen in allen Dingen ein ordentliches Leben führen. 19 Umso mehr aber ermahne ich euch, dies zu tun, damit ich euch möglichst bald wiedergegeben werde.
Segenswunsch und Grüße
20 Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, 21 der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
22 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, nehmt dies Wort der Ermahnung an; ich habe euch ja nur kurz geschrieben. 23 Wisst, dass unser Bruder Timotheus wieder frei ist; mit ihm will ich euch, wenn er bald kommt, besuchen. 24 Grüßt alle eure Lehrer und alle Heiligen. Es grüßen euch die Brüder aus Italien. 25 Die Gnade sei mit euch allen!
